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13.06.10 18:00Die Zecken sind wieder unterwegs!

 

Baum mit Zeckenwarnschild

Achtung: Zeckenbissgefahr

Zecken -  kleine Quälgeister mit großer Wirkung

Zecken gehören zoologisch zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida), erkennbar an ihren acht Beinen, und zur Ordnung der Milben (Acari) im Stamm der Gliederfüßer. Weltweit gibt es ungefähr 800 verschiedene Zeckenarten. Die Schildzecke, auch gemeiner Holzbock oder Ixodes ricinus genannt, ist mit einem Anteil von 95 Prozent die häufigste Zeckenart in Deutschland. Der volle Entwicklungszyklus der Zecke dauert meistens zwei bis drei Jahre. In jedem Entwicklungsstadium braucht die Zecke eine Blutmahlzeit. Bei ungünstigen Verhältnissen, wenn sich kein Wirt finden lässt, können bis zu fünf Jahre vergehen. Zecken können sehr gut hungern. Wenn es sein muss, verzichten sie zwei Jahre lang auf Nahrung. 99 Prozent ihres Lebens verbringen die Zecken freilebend auf der Suche nach einem Wirt.

In Mitteleuropa gibt es zwei verschiedene Erkrankungen, die durch einen Zeckenbiss übertragen werden können:

·         die FSME ( Früh-Sommer-Meningo- Enzephalitis)

·         die Borreliose oder Lyme Krankheit

Die FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis): wird durch Viren hervorgerufen, die durch einen Zeckenbiss in den menschlichen Körper gelangen und eine Hirnhautentzündung verursachen können. Dagegen schützt eine Vorsorgeimpfung. In Deutschland sind im letzten Jahr 313 Menschen an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis erkrankt. Zecken, die das FSME-Virus übertragen, kommen nur in bestimmten Gebieten, so genannten Naturherden, vor. Selbst in solchen Naturherden ist jedoch nur in durchschnittlich jeder 100. bis 1000. Zecke das FSME-Virus nachzuweisen. Besonders gefährdete FSME-Gebiete in Europa sind Süddeutschland, Schweiz, Österreich, Russland, Finnland, Ungarn, Balkan, Polen. In Deutschland gelten als Risikogebiet Kreise, in denen es in einem 5-Jahreszeitraum zu einer FSME-Erkrankung auf 100.000 Einwohner gekommen ist. Das RKI (Robert-Koch-Institut) weist 136 Kreise aus, die sich fast alle in Süddeutschland befinden. Publikation im Epidemiologischen Bulletin des Robert-Koch-Institutes (2010; 17: 147-155). Im Bergland oberhalb von 1000 Metern Höhe gibt es wegen der niedrigen Durchschnittstemperaturen keine Zecken und auch keine FSME.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung allen, die in einem Risikogebiet leben oder dorthin reisen und Zecken ausgesetzt sind. Auch wer beruflich gefährdet ist, z.B. Forstarbeiter, Jäger und Landwirte, sollte sich unbedingt impfen lassen. Die Risikogebiete in Europa haben sich in den letzten Jahren immer weiter ausgedehnt. Hier können Sie sich die Europakarte mit den Risikogebieten ansehen. Für Kurzentschlossene gibt es auch ein Schnellimpfschema, so dass Sie nicht ungeschützt in den Urlaub gehen müssen.
Die Impfrate ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. In Bayern und Baden-Württemberg ist jeder dritte Schulanfänger, in Thüringen sogar jeder zweite Schulanfänger in den Risikogebieten geimpft. In den höheren Altersgruppen ist die Impfrate vermutlich erheblich geringer. Der Impfschutz ist begrenzt. Auffrischungen werden in Abständen von 3 bis 5 Jahren empfohlen.

Borreliose oder Lyme Krankheit: Erreger sind Bakterien, die sogenannten Spirochäten  (Schraubenbakterien, Borrelien). Entdeckt wurde die Lyme-Borreliose gegen Ende der sechziger Jahre in den USA, in der Stadt "Lyme". Erst durch weitere Forschungen gelang es dem Arzt Dr. Willy Burgdorfer 1981 das Bakterium zu identifizieren. Der Krankheitserreger wird seit 1984 als "Borrelia burgdorferi" bezeichnet. Die Borreliose ist eine Multisystemerkrankung und kann akute und chronische Beschwerden in Gelenken, Muskeln und im Nervensystem verursachen. In Deutschland erkranken etwa 80.000 Menschen pro Jahr an Borreliose. Gegen die Lyme-Borreliose, die häufigste von Zecken übertragene Krankheit, gibt es in Europa keine Impfung, sondern nur allgemeine Empfehlungen zum Schutz vor Zeckenbissen. Die Lyme-Borreliose ist mit 60 000 bis 100 000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland 50- bis 100-mal häufiger als die FSME. In Europa gibt es vier verschiedene humanpathogene (für Menschen Krankheiten auslösende) Borrelienspezies: In Mitteleuropa vor allem Borrelia afzelii und Borrelia garinii, in den USA ausschließlich Borrelia burgdorferi. Auch die Vektoren (Zecken) unterscheiden sich in Europa und in den USA. Dies führt zu teilweise signifikant verschiedenen Krankheitsmanifestationen beziehungsweise Symptomkonstellationen der Borreliose in Deutschland/Europa versus USA. Eine Differenzierung der bisher international (noch) vereinheitlichten Terminologie in die Varianten "Lyme-" (für USA) und "European borreliosis" (für Europa/Asien) sowie die Verfassung von Leitlinien für das Krankheitsbild Borreliose, zur Herstellung eines interdisziplinären Konsens, wären sehr sinnvoll, um den verschiedenen Entitäten (Krankheitsbildern) in der Behandlung gerecht zu werden. Da die angebotenen Testmethoden nicht standardisiert sind, können Labors zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Auch ist ein Nachweis der Spirochäten durch Kultur oder über PCR ist wegen der geringen Dichte des Erregers in Geweben und Körperflüssigkeiten nicht immer möglich. Die Serologie ist nicht unbedingt zielführend, denn je nach regionalem Durchseuchungsgrad der Zeckenpopulationen mit Borrelien und Exposition ihrer Wirte, haben fünf bis 35 Prozent der gesunden Menschen Antikörper gegen Borrelien. (Dtsch Arztebl Int 2009; 106(5): 72-81).

Erstmals ist es Heidelberger Forschern nun gelungen die Borrelien 3-dimensional darzustellen, und darüber neue Erkenntnisse zu gewinnen, wie jetzt in der Ärztezeitung veröffentlicht: http://www.aerztezeitung.de/suchen/default.aspx?query=Borreliose&sid=533018.

Die Heidelberger Wissenschaftler haben nun erstmals die Besonderheiten der drei human-pathogenen Erregerspezies der Lyme Borreliose verglichen, die in Europa vorkommen und unterschiedliche Krankheitssymptome hervorrufen. In Nordamerika überwiegt bekanntlich die Gelenkentzündung, in Europa sind dagegen auch Haut oder Nervensystem betroffen. Mit Hilfe der Kryotomografie-Mikroskopie ist es nun gelungen nachzuweisen, dass die drei Erregertypen über eine unterschiedliche Anzahl von Flagellen verfügen. Außerdem konnten erstmals Strukturen nachgewiesen werden, die eine wichtige Rolle bei der Vermehrung des Bakteriums spielen könnten. Diese Spirochäten haben eine korkenzieherähnliche Struktur und zeigen eine starke Ähnlichkeit mit dem Syphilis Erreger. Eine lebenslange Immunität nach einer Infektion besteht nicht. Jeder neue Zeckenstich/Zeckenbiss kann wieder eine Borrelieninfektion auslösen, wenn die Zecke mit dem Borrelioseerreger durchseucht war. Man erkennt sie an einer sich allmählich, über Tage bis Wochen, ringförmig ausbreitenden Hautrötung ("Erythema migrans"). Unbehandelt kann sie in seltenen Fällen zu Gelenkentzündungen, Herzmuskelentzündungen und neurologischen Erkrankungen führen. Die Borreliose ist mit Antibiotika heilbar. Das Risiko der erwähnten Folgeerkrankungen wird nach Expertenmeinung weit überschätzt: In fast allen Fällen kommt es auch ohne Behandlung zur Spontanheilung. Jede Manifestation der Lyme-Borreliose - sie ist primär eine klinische Verdachtsdiagnose auf der Basis von Anamnese und Labordiagnostik - muss mit Antibiotika behandelt werden. Im frühen Stadium, symptomatisch durch ein Erythema migrans, heilt die Erkrankung nach einer Antibiotikatherapie meist folgenlos aus.


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